Inhalt

Text gilt ab: 01.05.1987

2.   Ausweisung von Wildschutzgebieten

2.1  

Bei der Ausweisung sind vor allem zu berücksichtigen:
–
Lebensweise des Wildes
–
Bedürfnisse des Wildes nach Ruhe
–
Belange der Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft, der Jagd und Fischerei
–
Recht des einzelnen auf Erholung in der freien Natur sowie Belange des Erholungsverkehrs
–
Belange des Naturschutzes und der Landschaftspflege
–
Praktikabilität
–
Grundsatz der Verhältnismäßigkeit

2.2  

Die Ausweisung von Wildschutzgebieten kommt vor allem für folgende Wildarten in Betracht:

2.2.1  

Beim Haarwild
–
Rotwild
–
Damwild
–
Muffelwild
–
Gamswild
–
Steinwild
–
Murmeltier
–
Wildkatze
–
Fischotter

2.2.2  

Beim Federwild
–
Auerwild
–
Birkwild
–
Haselwild
–
Alpenschneehuhn
–
Wildgänse, Wildenten und Säger unter besonderer Berücksichtigung bedrohter Arten
–
Graureiher
–
Steinadler
–
Seeadler
–
Wanderfalke
–
Rohr- und Wiesenweihe
–
Rot- und Schwarzmilan

2.3  

Schutzbereiche, Schutzzeiten beim Haarwild (Rahmenwerte)

2.3.1  

Beim Rot-, Dam-, Muffelwild
–
Fütterungs- und Einstandsbereiche, jedoch beim Rotwild nicht außerhalb von Rotwildgebieten
–
vom 1. November bis 30. April

2.3.2  

Bei der Wildkatze
–
Jungenaufzuchtsbereiche
–
vom 1. Februar bis 31. August

2.3.3  

Beim Fischotter
–
Wasserläufe und Uferzonen im Einzugsbereich der Baue
–
Betretungsbeschränkungen oder ‑verbote vom 1. Januar bis 31. August; Einschränkungen der Fischerei (evtl. Verbot von Reusen), der Bisambekämpfung (z.B. Verbot von Fangkörben), der Jagd (Verbot von Prügelfallen und Schwanenhälsen) ganzjährig

2.3.4  

Beim Gams- und Steinwild
–
Einstandsbereiche
–
vom 1. November bis 31. März

2.3.5  

Beim Murmeltier
–
Koloniebereiche
–
vom 1. Mai bis 31. August

2.4  

Schutzbereiche, Schutzzeiten beim Federwild (Rahmenwerte)

2.4.1  

Beim Auerwild
–
Balzareale, Brut-, Aufzucht- und Überwinterungsgebiete
–
Betretungsbeschränkungen oder ‑verbote vom 1. November bis 30. Juni; ansonsten die (im Einzelfall) für die Erreichung des Schutzwecks erforderlichen Maßnahmen ganzjährig (Rahmenwert), mindestens jedoch im vorbezeichneten Zeitraum

2.4.2  

Beim Birkwild
–
Balzareale, Brut-, Aufzucht- und Überwinterungsgebiete
–
Betretungsbeschränkungen oder ‑verbote vom 1. November bis 30. Juni; ansonsten die (im Einzelfall) für die Erreichung des Schutzwecks erforderlichen Maßnahmen ganzjährig; mindestens jedoch im vorbezeichneten Zeitraum

2.4.3  

Beim Haselwild
–
Brut- und Aufenthaltsgebiete
–
Betretungsbeschränkungen oder ‑verbote vom 1. November bis 30. Juni; ansonsten die (im Einzelfall) für die Erreichung des Schutzwecks erforderlichen Maßnahmen ganzjährig; mindestens jedoch im vorbezeichneten Zeitraum

2.4.4  

Beim Alpenschneehuhn
–
Aufenthaltsgebiete
–
vom 1. September bis 30. April

2.4.5  

Beim Wasserwild (Wildgänse, Wildenten, Säger)
–
bedeutende Brut-, Mauser- und Rastgebiete
–
in den jeweiligen Brut-, Mauser- und Rastzeiten

2.4.6  

Beim Graureiher
–
Brutgebiete
–
vom 1. Februar bis 15. Juni

2.4.7  

Beim Steinadler
–
Horstbereiche
–
vom 1. März bis 15. August

2.4.8  

Beim Seeadler
–
Bereich seiner Ruheplätze
–
vom 1. November bis 15. April

2.4.9  

Beim Wanderfalken
–
Horstgebiete
–
vom 1. Februar bis 30. Juni

2.4.10  

Bei der Rohr- und Wiesenweihe
–
Brut- und bevorzugte Nahrungsgebiete
–
vom 1. Mai bis 1. August

2.4.11  

Beim Rot- und Schwarzmilan
–
Horstgebiete
–
vom 1. Februar bis 30. Juni

2.5  

Das Wild ist von vielfältigen Beunruhigungsfaktoren betroffen. Als Schutzmaßnahmen dagegen bieten sich je nach den Umständen des Einzelfalls insbesondere folgende Maßnahmen an:
–
Zeitweise Betretungsbeschränkungen oder ‑verbote bzw. Wegegebote, wie etwa:
•
außerhalb der dem öffentlichen Verkehr gewidmeten Straßen mit Kraftfahrzeugen oder mit Wohnwagen zu fahren oder diese dort abzustellen sowie außerhalb von Straßen und ausgebauten Wegen zu reiten,
•
in den von der unteren Jagdbehörde markierten Flächen die ausgebauten Wege zu verlassen oder Ski zu fahren, das gilt nicht für Grundeigentümer und sonstige Berechtigte,
•
außerhalb der ausgewiesenen und markierten Loipen langzulaufen,
•
Bäume oder Felswände mit Horsten oder mit Höhlen zu besteigen
–
Lärmverbote
–
Zeltverbote
–
Lagerverbote
–
Verbot, die geschützten Wildarten an ihren Zuflucht-, Nist-, Brut oder Wohnstätten durch Aufsuchen, Fotografieren, Filmen oder ähnliche Handlungen zu stören
–
Anleinpflicht für Hunde, ausgenommen Jagdhunde beim Einsatz in rechtmäßiger Ausübung der Jagd
–
zusätzlich beim Wasserwild
•
Fahrverbote für Wasserfahrzeuge aller Art mit und ohne eigene Triebkraft und sonstige zur Fortbewegung auf dem Wasser geeignete Gegenstände (Luftmatratzen u. ä.) auf bestimmten Wasserflächen, wie Buchten und Mündungsbereichen
•
Einhaltung von Mindestabständen zu den Uferzonen beim Surfen, Wasserskifahren, Schlauchbootfahren, Segeln sowie anderen Wassersportarten und Freizeitbetätigungen, ggf. in Verbindung mit Uferbetretungsverboten
•
Uferbetretungsverbote, insbesondere für Schilfbereiche