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I. Friedhöfe

Der Boden soll so beschaffen sein, dass die Verwesung der Leichen möglichst rasch erfolgt. Dies ist bei einem Boden der Fall, der zeitweise durch Oberflächenwasser durchfeuchtet wird, die Hauptmasse des Wassers aber nur kurze Zeit zurückhält und dann wieder der Luft ungehinderten Zutritt gewährt; als völlig einwandfrei ist ein Boden jedoch erst dann zu bezeichnen, wenn er auch im Stande ist die Zersetzungsprodukte zurückzuhalten und zu verhindern, dass übel riechende gasförmige Stoffe in die Außenluft, Krankheitskeime und in Wasser gelöste schädliche Stoffe in die tieferen Bodenschichten und das Grundwasser gelangen.
Diese Bedingungen erfüllt am besten ein Boden, der aus Kies und Sand oder aus Kies und Lehm besteht, oder ein Humus-(Lehm)boden, der reichlich mit Kies und Sand gemischt ist. Grober Schotter (ohne Sand oder Lehmbeimengung) ist ungeeignet, weil er den Gasen den Weg zur Erdoberfläche, den im Wasser löslichen Stoffen und den Keimen den Weg ins Grundwasser frei lässt; reiner Lehm- oder Torfboden ist ungeeignet, weil er für Luft nicht durchlässig ist.
Zu berücksichtigen ist, dass ein ursprünglich geeigneter Boden durch oftmalige Benützung immer reicher an feinkörnigen Überresten von Leichen (Knochenerde) wird und dadurch allmählich undurchlässig und ungeeignet werden kann.
Für die Eignung eines Bodens zur Anlage von Gräbern kommt auch sein Grundwasserstand in Betracht. Da der Grundwasserstand nach Jahreszeit und Witterung schwankt, ist der höchste vorkommende Grundwasserstand zu ermitteln. Es ist unter allen Umständen zu vermeiden, dass die Grabessohle vom Grundwasser erreicht wird oder dass Särge in jene Zone zu liegen kommen, bis zu der das Wasser (durch Kapillarität) aufsteigt. Es soll vielmehr zwischen der Grabessohle und dem höchsten Grundwasserstand eine mindestens 50 cm starke Bodenschicht sich befinden, die einerseits eine trockene Lagerung der Särge gewährleistet und andererseits den Übergang gelöster Fäulnisstoffe in das Grundwasser verhindert. Bei sehr groß porigem Kiesboden soll diese Schicht mächtiger sein, ebenso bei sehr dichtem, feinkörnigem Boden, in dem erfahrungsgemäß das Kapillarwasser besonders hoch aufsteigt.
Ein nach seiner Zusammensetzung geeigneter Boden kann ungeeignet sein, wenn er Überschwemmungen ausgesetzt oder in einer Mulde gelegen ist, in der sich die Niederschläge sammeln. Ein an sich nicht verwendbarer Boden kann häufig durch Entwässerung oder Aufschüttung geeignet gemacht werden.
Lage der Friedhöfe
Bei der Wahl des Platzes ist auf die Richtung des Grundwasserstroms zu achten. Das Grundwasser des Friedhofs soll besonders in groß porigem Boden nicht gegen benachbarte Brunnen, die aus dem Grundwasser gespeist werden, fließen.
Bei Beachtung dieses Grundsatzes und bei einwandfreier Bodenbeschaffenheit ist eine Gefährdung der Umgebung durch Anlage eines Friedhofs nicht zu befürchten. Immerhin ist es, um jede Beunruhigung der Bevölkerung zu vermeiden, zweckmäßig, den Friedhof in einiger Entfernung von Wohngebäuden zu errichten. Meist sprechen schon die Interessen des Verkehrs, der baulichen Ausdehnung der Ortschaft, die Abneigung der Lebenden gegen alle an den Tod erinnernden Vorgänge gegen die Anlage in der Nähe größerer Wohnungskomplexe.
Tiefe der Gräber
Die Tiefe soll von der Erdoberfläche an für die Gräber von Erwachsenen wenigstens 1,80 m, für die von Kindern unter zwölf Jahren wenigstens 1,30 m, für die von Kindern unter sieben Jahren wenigstens 1,10 m, für die von Kindern unter zwei Jahren wenigstens 0,80 m betragen.
Zwischenschicht
Zwischen den einzelnen Gräbern soll eine Erdschicht von mindestens 0,6 m Dicke sich befinden. Wo wegen der großen Zahl der Leichen so genannte Reihengräber angelegt werden müssen, kann ausnahmsweise von dieser Zwischenschicht abgesehen werden, sofern die vorgeschriebene Tiefe eingehalten wird.
Größe der Gräber
Für den Begräbnisplatz eines Erwachsenen ist einschließlich des Zwischenweges eine Länge von 2,50 m und eine Breite von 1,50 m, bei Reihengräbern eine Länge von 2,20 m und eine Breite von 0,80 m in Ansatz zu bringen; die Länge und Breite der Gräber für Kinder bemisst sich nach der Größe der Särge.
Ruhefrist
Für jeden Begräbnisplatz ist die Zeit, vor deren Ablauf eine schon belegte Grabstelle zum Begraben einer anderen Leiche nicht benützt werden darf, festzusetzen. Diese Ruhefrist muss der Zeit entsprechen, die zum Zerfall der Leiche nötig ist; sie hängt von der Bodenbeschaffenheit und dem Alter der Beerdigten ab. Bei sehr günstigen Bodenverhältnissen verwest die Leiche eines Erwachsenen in vier – sieben Jahren, unter ungünstigen Umständen erst in 15 – 30 und mehr Jahren. Leichen von Kindern unter zehn Jahren brauchen etwa 1/3 – 1/2 dieser Zeit. Welche Ruhefrist zu wählen ist, muss für jeden Friedhof gesondert entschieden werden; ausschlaggebend bleibt dabei die bei Eröffnung von Gräbern gemachte Erfahrung.
Größe der Friedhöfe
Aus der Zahl der nach zehnjährigem Durchschnitt oder für die Zukunft voraussichtlich zur Beerdigung gelangenden Leichen der verschiedenen Altersklassen, aus der Größe der einzelnen Gräber und aus der nach den Erfahrungen festgestellten oder nach der Bodenbeschaffenheit anzunehmenden Ruhefrist lässt sich der Raum für die gewöhnlichen Gräber berechnen. Für Familiengräber, Grüfte, das Leichenhaus und die größeren Wege ist zu der berechneten Fläche ein Zuschlag zu machen, der durch die örtlichen Verhältnisse bestimmt wird. Auch für gärtnerische Anlagen, die nicht nur einen Schmuck des Friedhofs bilden, sondern auch gesundheitliche Vorzüge haben, soll ein angemessener Raum vorgesehen werden. Besonders ist darauf zu achten, dass die Wege, vor allem die Hauptwege, eine dem zu erwartenden Verkehr entsprechende Breite erhalten.