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Text gilt ab: 01.01.2020
Fassung: 14.09.1990
Art. 39
Automatisierte Kennzeichenerkennungssysteme
(1)[1] 1 Die Polizei kann durch den verdeckten Einsatz automatisierter Kennzeichenerkennungssysteme bei Vorliegen entsprechender Lageerkenntnisse in den Fällen des Art. 13 Abs. 1 Nr. 1 bis 5 Kennzeichen von Kraftfahrzeugen sowie Ort, Datum, Uhrzeit und Fahrtrichtung erfassen. 2Das gilt im Fall des Art. 13 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a jedoch nur bei einer Gefahr für ein bedeutendes Rechtsgut und im Fall des Art. 13 Abs. 1 Nr. 5 bei Durchgangsstraßen nur, soweit Europastraßen oder Bundesfernstraßen betroffen sind. 3Zulässig ist der Abgleich der Kennzeichen mit polizeilichen Fahndungsbeständen, die erstellt wurden
1.
über Kraftfahrzeuge oder Kennzeichen,
a)
die durch Straftaten oder sonst abhandengekommen sind oder
b)
hinsichtlich derer auf Grund tatsächlicher Anhaltspunkte anzunehmen ist, dass sie bei der Begehung von Straftaten benutzt werden,
2.
über Personen, die ausgeschrieben sind
a)
zur polizeilichen Beobachtung, gezielten Kontrolle oder verdeckten Registrierung,
b)
aus Gründen der Strafverfolgung, Strafvollstreckung, Auslieferung oder Überstellung,
c)
zum Zweck der Durchführung ausländerrechtlicher Maßnahmen,
d)
wegen gegen sie veranlasster polizeilicher Maßnahmen der Gefahrenabwehr.
4Ein Abgleich mit polizeilichen Dateien, die zur Abwehr von im Einzelfall oder im Hinblick auf bestimmte Ereignisse allgemein bestehenden Gefahren errichtet wurden, ist nur zulässig, wenn dies zur Abwehr einer solchen Gefahr erforderlich ist und diese Gefahr Anlass für die Kennzeichenerfassung war. 5Die Kennzeichenerfassung darf nicht flächendeckend eingesetzt werden.
(2) 1Maßnahmen nach Abs. 1 dürfen nur von den in Art. 36 Abs. 4 Satz 2 und 3 genannten Personen angeordnet werden. 2In der schriftlichen Anordnung sind Adressat und Art, einzelfallabhängig Umfang und Dauer der Maßnahme sowie die Auswahl der Fahndungsbestände oder Dateien zu bestimmen und die wesentlichen Gründe einschließlich der zugrundeliegenden Lageerkenntnisse anzugeben.
(3) 1Die nach Abs. 1 erfassten Kennzeichen sind nach Durchführung des Datenabgleichs unverzüglich zu löschen, soweit nicht ein Kennzeichen in den abgeglichenen Fahndungsbeständen oder Dateien enthalten ist. 2Außer in den Fällen des Abs. 1 Satz 3 Nr. 2 Buchst. a dürfen Einzelerfassungen nicht zu einem Bewegungsbild verbunden werden. 3Abgleiche nach Abs. 1 dürfen nicht protokolliert werden.

[1] Gemäß Beschl. des BVerfG v. 18.12.2018 – 1 BvR 142/15 – (BGBl. 2019 I S. 192) ist Art. 39 Abs. 1 mit Art. 2 Abs. 1 iVm Art. 1 Abs. 1 GG unvereinbar, soweit er
die Kennzeichenerfassung nach Maßgabe des Art. 13 Abs. 1 Nr. 1 PAG idF vom 22.7.2014 und den nachfolgenden Fassungen nicht auf den Schutz von Rechtsgütern von zumindest erheblichem Gewicht beschränkt,
die Kennzeichenerfassung nach Maßgabe des Art. 13 Abs. 1 Nr. 1 PAG idF vom 22.7.2014 und den nachfolgenden Fassungen uneingeschränkt für „Durchgangsstraßen ([…] andere Straßen von erheblicher Bedeutung für den grenzüberschreitenden Verkehr)“ vorsieht und
keine Pflicht zur Dokumentation der Entscheidungsgrundlagen für die Durchführung der Kraftfahrzeugkennzeichenkontrollen vorsieht.
Die Vorschrift bleibt bis zu einer Neuregelung durch den Gesetzgeber, längstens bis zum 31.12.2019, nach Maßgabe der Gründe weiter anwendbar; vgl. hierzu die Bek. der Entsch. des BVerfG – Az. 1 BvR 142/15 v. 18.12.2018 (GVBl. 2019 S. 55).