Inhalt

FakO
Text gilt seit: 01.05.2019
Fassung: 09.05.2017
Anlage 3 (zu § 6)
Sozialpädagogisches Seminar
1.
Dauer
1Das sozialpädagogische Seminar dauert zwei Jahre. 2Bewerberinnen und Bewerber mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung in einem anderen staatlich anerkannten Ausbildungsberuf als nach § 6 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Buchst. a treten in das zweite Jahr des sozialpädagogischen Seminars ein. 3Satz 2 gilt entsprechend für Bewerberinnen und Bewerber, deren bisheriger Bildungsstand und beruflicher Werdegang eine erfolgreiche Mitarbeit im sozialpädagogischen Seminar erwarten lassen. 4Die Höchstausbildungsdauer beträgt drei Jahre, bei verkürztem sozialpädagogischem Seminar zwei Jahre. 5 § 12 Satz 3 und 4 gilt entsprechend.
2.
Ziele des sozialpädagogischen Seminars
1Das sozialpädagogische Seminar ist ein beruflicher Vorbildungsweg für die Erzieherausbildung. 2Es soll zur pädagogischen Mitarbeit in verschiedenen Arbeitsfeldern befähigen, insbesondere bei der Betreuung, Bildung und Erziehung von Kindern im vorschulischen Alter oder frühen Schulalter.
3.
Aufnahme in das sozialpädagogische Seminar
1Die Aufnahme in das sozialpädagogische Seminar setzt Folgendes voraus:
a)
einen mittleren Schulabschluss,
b)
die Vorlage eines ärztlichen Zeugnisses, das nicht älter als drei Monate ist und ausweist, dass die Bewerberin oder der Bewerber für den Beruf der Erzieherin oder des Erziehers geeignet ist,
c)
das Fehlen von Anhaltspunkten, die die Bewerberin oder den Bewerber als ungeeignet für den Beruf der Erzieherin oder des Erziehers erscheinen lassen,
d)
bei Minderjährigen das Einverständnis der Erziehungsberechtigten.
2Bewerberinnen und Bewerber mit einer anderen Muttersprache als Deutsch müssen außerdem nachweisen, dass sie über hinreichende Deutschkenntnisse in Wort und Schrift verfügen, sodass eine erfolgreiche Teilnahme am Unterricht gewährleistet ist. 3Die Anmeldung erfolgt an der Fachakademie für Sozialpädagogik, an der die Ausbildung zur Erzieherin oder zum Erzieher erfolgen soll. 4Die Fachakademie genehmigt die Praktikumsstellen und stellt den Bewerberinnen und Bewerbern schriftlich die Aufnahme in die Fachakademie für den Fall des erfolgreichen Abschlusses des sozialpädagogischen Seminars und des Vorliegens der übrigen allgemeinen Aufnahmevoraussetzungen gemäß § 6 in Aussicht.
4.
Probezeit
1 § 9 gilt entsprechend mit der Maßgabe, dass bei Praktikantinnen und Praktikanten, die unmittelbar in das zweite Jahr des sozialpädagogischen Seminars eintreten, die Probezeit am 15. Dezember endet. 2Über § 9 Abs. 2 hinaus ist die Probezeit auch dann nicht bestanden, wenn in der sozialpädagogischen Praxis die Leistungen nicht mindestens mit der Note 4 bewertet wurden.
5.
Inhalte des sozialpädagogischen Seminars
Das sozialpädagogische Seminar gliedert sich in einen überwiegend theoretischen Teil – Unterricht an der Fachakademie – und einen fachpraktischen Teil – Tätigkeit in der sozialpädagogischen Einrichtung (sozialpädagogische Praxis).
5.1
Theoretischer Teil
1Dem Unterricht sind die vom Staatsministerium erlassenen Lehrpläne sowie folgende Stundentafel zugrunde zu legen:
Pflichtfächer
Wochenstunden
1. Jahr
2. Jahr
Pädagogik und Psychologie
2
3
Deutsch und Kommunikation
1
1
Englisch
1
Recht und Verwaltung
0,5
0,5
Musische Gestaltung und Bewegungserziehung1, 2
2
2
Naturwissenschaft und Gesundheit
0,5
0,5
Religionspädagogik und ethische Erziehung
0,5
0,5
Praxis- und Methodenlehre mit Säuglingsbetreuung3
2
2
Summe
8,5
10,5
2Die Ausbildungsinhalte sollen lernfeldorientiert vermittelt werden. 3Zu Beginn des ersten Jahres des sozialpädagogischen Seminars findet ein Unterrichtsblock von mindestens einer Woche zur Einführung statt. 4Zu Beginn des zweiten Jahres des sozialpädagogischen Seminars soll ein Unterrichtsblock von mindestens einer Woche durchgeführt werden. 5Im Übrigen obliegt die zeitliche Gliederung des Unterrichts den Fachakademien. 6Für die Ersetzung von Englisch durch eine andere Fremdsprache gilt § 14 Abs. 3 Nr. 2 entsprechend.

1 [Amtl. Anm.:] Davon je eine Stunde Musikerziehung, Kunsterziehung/Werken, Bewegungserziehung (Sporterziehung/Rhythmik)
2 [Amtl. Anm.:] Davon eine Unterrichtswochenstunde mit flexiblen Angeboten. Unterrichtswochenstunden mit flexiblen Angeboten sind Stundenanteile, die sowohl inhaltlich – verschiedene Lehrplanangebote zur Auswahl – als auch hinsichtlich der Zuordnung zum Seminarjahr für die Fachakademien frei wählbar sind. Die Wochenstundenanzahl pro Jahr bleibt davon unberührt.
3 [Amtl. Anm.:] 0,5 Unterrichtswochenstunden mit flexiblen Angeboten
5.2
Fachpraktischer Teil
1Die sozialpädagogische Praxis orientiert sich an dem als Anlage zum Lehrplan veröffentlichten Ausbildungsrahmenplan. 2Bei zweijähriger Dauer ist die sozialpädagogische Praxis in mindestens zwei verschiedenen sozialpädagogischen Tätigkeitsfeldern abzuleisten. 3Bei einjähriger Dauer soll sie in zwei verschiedenen sozialpädagogischen Tätigkeitsfeldern abgeleistet werden. 4Die Zeitabschnitte können unterschiedlich lang sein.
6.
Praktikumsstellen
Praktikumsstellen für die sozialpädagogische Praxis sind die in Anlage 1 Nr. 2 Satz 1 genannten Einrichtungen.
7.
Fachliche Betreuung an der Praktikumsstelle
7.1
Praxisanleiter
1Die fachliche Anleitung und Betreuung der Praktikantinnen und Praktikanten obliegt einer vom Träger der sozialpädagogischen Einrichtung benannten sozialpädagogischen Fachkraft mit mehrjähriger Berufserfahrung gemäß Anlage 1 Nr. 3 Satz 1 und 2. 2Während des gesamten sozialpädagogischen Seminars sind regelmäßig Anleitungsgespräche durchzuführen.
7.2
Betreuende Lehrkraft
Für die fachliche Betreuung der Praktikantinnen und Praktikanten werden außerdem Lehrkräfte der Fachakademie als Betreuer eingesetzt.
8.
Leistungsnachweise, Bewertung
8.1
Leistungsnachweise
1Für den theoretischen Teil nach Nr. 5.1 gelten die §§ 17 bis 22 entsprechend. 2Für die Zahl der Leistungsnachweise werden Fächer mit 0,5 und 1,5 Wochenstunden wie einstündige Fächer behandelt.
8.2
Sozialpädagogische Praxis
1In der sozialpädagogischen Praxis fertigen die Praktikantinnen und Praktikanten je Praktikumswoche einen Bericht. 2Im zweiten Jahr ist darüber hinaus ein praktischer Leistungsnachweis zu erbringen; die § 20 Abs. 2 bis 6 und § 21 gelten entsprechend. 3Der Praxisanleiter, der mit der Anleitung der Praktikantin oder des Praktikanten betraut ist, erstellt in Absprache mit der Leitung der Einrichtung zum Ende jedes Schulhalbjahres eine Beurteilung über die Tätigkeiten, die fachlichen Leistungen und das Verhalten der Praktikantin oder des Praktikanten während der sozialpädagogischen Praxis. 4Endet die Probezeit am 15. Dezember, ist die Beurteilung rechtzeitig vorher zu erstellen. 5Die Beurteilungen sind der zuständigen Fachakademie zu übermitteln. 6Für die Notenbildung gilt § 22 Abs. 1 Satz 2 und Abs. 3 entsprechend.
9.
Zwischen- und Jahreszeugnisse, Entscheidung über das Vorrücken
9.1
Zwischenzeugnis
Ein Zwischenzeugnis wird nur im ersten Jahr des sozialpädagogischen Seminars ausgestellt.
9.2
Jahreszeugnis
1Nach dem ersten Jahr des zweijährigen sozialpädagogischen Seminars wird ein Jahreszeugnis ausgestellt. 2In das zweite Jahr rückt vor, wer in der sozialpädagogischen Praxis mindestens die Note 4 und in den Fächern der Stundentafel (Nr. 5.1) höchstens einmal die Note 5, aber keinmal die Note 6 erhalten hat. 3Die §§ 27 und 28 Abs. 2, 3 und 4 Satz 1 und 2 gelten entsprechend.
10.
Abschlussprüfung, erfolgreicher Abschluss des sozialpädagogischen Seminars
1Das sozialpädagogische Seminar endet mit einer staatlichen Abschlussprüfung.
2Ihr haben sich alle Praktikantinnen und Praktikanten zu unterziehen.
3 § 55 Abs. 2 Satz 2 der Berufsfachschulordnung (BFSO) und § 56 gelten entsprechend.
10.1
Zeitpunkt und Prüfungsort
1Die Abschlussprüfung findet gegen Ende des zweiten Jahres des sozialpädagogischen Seminars an der öffentlichen oder staatlich anerkannten Fachakademie statt. 2 § 36 gilt entsprechend.
10.2
Prüfungsausschuss
1Mitglieder des Prüfungsausschusses sind alle Lehrkräfte, die im zweiten Studienjahr Unterricht in den Fächern der Stundentafel (Nr. 5.1) erteilt haben, und ein Praxisanleiter einer sozialpädagogischen Einrichtung, an der die sozialpädagogische Praxis abgeleistet wurde. 2In den Prüfungsausschuss kann eine Lehrkraft der Berufsfachschule für Kinderpflege berufen werden. 3Im Übrigen gelten die § 30 Abs. 3 sowie § 31 entsprechend. 4Für die praktische Prüfung kann das vorsitzende Mitglied auch andere Praxisanleiter als Prüferin oder Prüfer in den Unterausschuss berufen; das vorsitzende Mitglied muss Mitglied des Prüfungsausschusses sein.
10.3
Inhalt und Verfahren der Prüfung
1Die Prüfung umfasst einen schriftlichen, einen praktischen und gegebenenfalls einen mündlichen Teil. 2Die schriftliche Prüfung erstreckt sich auf den gesamten Unterrichtsstoff der Fächer
a)
Deutsch und Kommunikation: Bearbeitungszeit 90 Minuten,
b)
Pädagogik und Psychologie: Bearbeitungszeit 90 Minuten.
3Die praktische Prüfung ist abzulegen in der sozialpädagogischen Praxis: Bearbeitungszeit 60 Minuten. 4Voraussetzung für die Abnahme der praktischen Prüfung ist die Vorlage eines in häuslicher Arbeit erstellten schriftlichen Organisationsplans. 5Die praktische Prüfung beinhaltet die Materialvorbereitung und eine 30 bis 40 Minuten dauernde praktischen Aufgabe. 6Im Fach Deutsch und Kommunikation findet eine verpflichtende mündliche Prüfung als Gruppenprüfung mit vier bis sechs Prüflingen nach Maßgabe der Bestimmungen des Staatsministeriums statt. 7Die mündliche Prüfung erstreckt sich auf den gesamten Unterrichtsstoff des Fachs. 8Die Prüfungszeit soll im Allgemeinen fünf Minuten je Prüfling betragen. 9Über Verlauf, wesentlichen Inhalt und Ergebnis der mündlichen Prüfung ist eine Niederschrift anzufertigen. 10 § 59 Abs. 2 bis 8 BFSO gilt entsprechend. 11Im Fach Deutsch und Kommunikation findet eine mündliche Prüfung nach § 59 Abs. 2 bis 4 BFSO nicht statt.
10.4
Bewertung der Prüfungsleistungen
§ 64 BFSO gilt entsprechend.
10.5
Festsetzung des Prüfungsergebnisses
§ 65 BFSO gilt entsprechend.
10.6
Abschlusszeugnis
1Mit dem Abschlusszeugnis wird die Berufsbezeichnung „Staatlich geprüfte Kinderpflegerin“ oder „Staatlich geprüfter Kinderpfleger“ verliehen. 2Im Übrigen gilt § 66 BFSO entsprechend.
10.7
Verhinderung an der Teilnahme
§ 68 BFSO gilt entsprechend.
10.8
Unterschleif
§ 70 BFSO gilt entsprechend.
10.9
Besondere Regelungen für staatlich genehmigte Fachakademien
1Praktikantinnen und Praktikanten, die das sozialpädagogische Seminar einer staatlich genehmigten Fachakademie für Sozialpädagogik besuchen, legen die Abschlussprüfung als andere Bewerberinnen und Bewerber an einer öffentlichen oder staatlich anerkannten Fachakademie für Sozialpädagogik ab. 2 § 63 Abs. 2 Satz 2, Nrn. 10.1 bis 10.4 sowie die §§ 64, 66 bis 68, 70, 72 Abs. 2 Satz 2 bis 4, §§ 73, 74 Abs. 1 BFSO gelten entsprechend.
10.10
Einjähriges sozialpädagogisches Seminar
1Für Praktikantinnen und Praktikanten, die unmittelbar in das zweite Jahr des sozialpädagogischen Seminars eintreten, gelten die Nrn. 10.1 bis 10.9 entsprechend.
11.
Praktikantenvertrag
1Für das Praktikantenverhältnis gilt § 26 BBiG. 2Im Übrigen gilt Anlage 1 Nr. 5 entsprechend.