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ZQualVBau
Text gilt ab: 01.05.2019
Fassung: 17.05.1994
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Verordnung über den Erwerb der Zusatzqualifikation zur Erstellung der bautechnischen Nachweise im Sinn des Art. 62 der Bayerischen Bauordnung
(ZusatzqualifikationsverordnungBau – ZQualVBau)
Vom 17. Mai 1994
(GVBl. S. 401)
BayRS 2132-1-22-B

Vollzitat nach RedR: ZusatzqualifikationsverordnungBau (ZQualVBau) vom 17. Mai 1994 (GVBl. S. 401, BayRS 2132-1-22-B), die zuletzt durch § 1 Abs. 159 der Verordnung vom 26. März 2019 (GVBl. S. 98) geändert worden ist
Es erlassen auf Grund
1.
des Art. 97 Abs. 12 der Bayerischen Bauordnung (BayBO) in der Fassung der Bekanntmachung vom 18. April 1994 (GVBl S. 251, BayRS 2132–1–I) die Bayerische Staatsregierung mit Zustimmung des Bayerischen Landtags
2.
des Art. 25 des Kostengesetzes das Bayerische Staatsministerium des Innern im Einvernehmen mit dem Bayerischen Staatsministerium der Finanzen
folgende Verordnung:
§ 1
Grundsatz und Zweck der Prüfung
(1) 1Staatlich geprüfte Techniker der Fachrichtung Bautechnik sowie Handwerksmeister des Maurer- und Betonbauer- sowie des Zimmererfachs mit einer zusammenhängenden Berufserfahrung von mindestens drei Jahren können durch erfolgreiches Ablegen einer Prüfung die Berechtigung erwerben, im Rahmen ihrer Bauvorlageberechtigung nach Art. 61 Abs. 3 BayBO die bautechnischen Nachweise im Sinn des Art. 62a Abs. 1 BayBO zu erstellen. 2Durch die Prüfung ist festzustellen, ob die an der Prüfung Teilnehmenden bezogen auf die von Satz 1 erfaßten Vorhaben ausreichende rechtliche und fachliche Kenntnisse und Fähigkeiten hinsichtlich der Standsicherheit, des Schall-, des Wärme- und des Brandschutzes besitzen.
(2) 1Die Prüfung wird durch die Handwerkskammer für Mittelfranken durchgeführt. 2Das Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr kann die Durchführung durch Rechtsverordnung auf eine andere Stelle übertragen.
§ 2
Prüfungsausschuß
(1) Die Handwerkskammer für Mittelfranken bestellt den Prüfungsausschuß.
(2) 1Der Prüfungsausschuss besteht aus einem Vorsitzenden und drei weiteren Mitgliedern; für die Mitglieder sind stellvertretende Mitglieder zu berufen. 2Dem Prüfungsausschuss gehören an:
1.
das von der Arbeitsgemeinschaft der bayerischen Handwerkskammern benannte vorsitzende sowie ein weiteres Mitglied,
2.
zwei vom Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr aus seinem Geschäftsbereich benannte Mitglieder.
(3) §§ 10, 13 Abs. 1 Nrn. 1 bis 5 und 9, Abs. 2 Nrn. 1, 4 bis 7 und § 14 der Allgemeinen Prüfungsordnung (APO) in der jeweiligen Fassung gelten entsprechend.
§ 3
Zulassung zur Prüfung, Weiterbildungseinrichtung
(1) 1Zur Prüfung sind die staatlich geprüften Techniker der Fachrichtung Bautechnik sowie die Handwerksmeister des Maurer- und Betonbauer- sowie des Zimmererfachs zuzulassen, die eine zusammenhängende Berufserfahrung von mindestens drei Jahren seit erfolgreicher Ablegung der staatlichen Prüfung oder der Meisterprüfung aufweisen und an einer Weiterbildungsveranstaltung bei einer von der Handwerkskammer für Mittelfranken anerkannten Einrichtung teilgenommen haben. 2Die Voraussetzungen zur Zulassung sind gegenüber der Handwerkskammer für Mittelfranken nachzuweisen. 3Staatsangehörige eines anderen Mitgliedstaates der Europäischen Union oder eines nach dem Recht der Europäischen Gemeinschaften gleichgestellten Staates, die gemäß Art. 61 Abs. 3 Satz 2 BayBO bauvorlageberechtigt sind, sind zur Prüfung zuzulassen, wenn sie eine zusammenhängende Berufserfahrung von mindestens drei Jahren und eine Teilnahme an vergleichbaren Weiterbildungsveranstaltungen nachweisen.
(2) 1Die Handwerkskammer für Mittelfranken unterrichtet die Antragstellenden schriftlich über die Zulassungsentscheidung. 2Mit der Zulassung zur Prüfung sind den Antragstellenden gleichzeitig Ort und Zeit der Prüfung bekanntzugeben.
(3) Das Verfahren kann über eine einheitliche Stelle nach den Vorschriften des Bayerischen Verwaltungsverfahrensgesetzes abgewickelt werden.
(4) Die Handwerkskammer für Mittelfranken erkennt auf Antrag Einrichtungen zur Durchführung der Weiterbildungsveranstaltungen im Sinn des Absatzes 1 an, wenn sie in sachlicher, fachlicher und personeller Hinsicht auf Dauer geeignet sind, die nach § 1 Abs. 1 erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten zu vermitteln.
§ 4
Durchführung der Prüfung
(1) 1Die Prüfung findet mindestens einmal im Jahr statt. 2Die Prüfung wird schriftlich abgelegt. 3Die Prüfungsaufgaben werden vom Prüfungsausschuß unter Berücksichtigung des Zwecks der Prüfung ausgewählt. 4Sie haben Teilaufgaben aus folgenden Bereichen zu enthalten:
1.
Baurecht,
2.
Standsicherheit,
3.
Schallschutz,
4.
Wärmeschutz sowie
5.
Brandschutz.
5Die regelmäßige Bearbeitungszeit für die Prüfungsaufgaben beträgt im Fach Baurecht eine Stunde, im Fach Standsicherheit drei Stunden und in den Fächern Schallschutz, Wärmeschutz und Brandschutz je zwei Stunden.
(2) §§ 6 bis 8, 16 Abs. 1, §§ 17 bis 20, 32 bis 35 und 38 APO gelten entsprechend.
(3) 1Die Teilaufgaben werden von jeweils hierfür fachkundigen Prüfenden bewertet. 2Die Prüfenden werden vom vorsitzenden Mitglied des Prüfungsausschusses bestimmt.
(4) 1Die Prüfung ist bestanden, wenn die an der Prüfung Teilnehmenden durch ihre Prüfungsleistung in allen Teilbereichen ausreichende Kenntnisse und Fähigkeiten nachgewiesen haben. 2Dabei ist jeweils eine Leistung erforderlich, die mindestens durchschnittlichen Anforderungen entspricht. 3Die Prüfenden haben ihre Bewertung, daß eine Leistung den Anforderungen der Sätze 1 und 2 nicht genügt, hinreichend zu begründen.
§ 5
Baurecht
1Im Fach Baurecht sollen die an der Prüfung Teilnehmenden nachweisen, daß sie Grundkenntnisse des Bauplanungsrechts und des Bauordnungsrechts besitzen, die sie dazu befähigen, die bei der Erstellung der bautechnischen Nachweise auftretenden rechtlichen Fragen zu bewältigen. 2In diesem Rahmen können insbesondere geprüft werden:
1.
Aufbau und Systematik der Bayerischen Bauordnung,
2.
Grundfragen der Art. 58 und 59 BayBO,
3.
Grundzüge des Dritten Teils des Ersten Kapitels des Baugesetzbuchs mit den Bezügen zum Ersten Teil und zur Baunutzungsverordnung.
§ 6
Standsicherheit
Im Fach Standsicherheit sollen die an der Prüfung Teilnehmenden nachweisen, daß sie Standsicherheitsnachweise für Tragwerke mit geringem Schwierigkeitsgrad führen können, insbesondere für
1.
statisch bestimmte ebene Tragwerke,
2.
statisch bestimmte oder einfache statisch unbestimmte Deckenkonstruktionen,
3.
Mauerwerksbauten mit bis zur Gründung durchgehenden tragenden Wänden,
4.
Flachgründungen und Stützwände einfacher Art.
§ 7
Schallschutz
1Im Fach Schallschutz sollen die an der Prüfung Teilnehmenden nachweisen, daß sie über ausreichende Kenntnisse der fachlichen Grundlagen des Schallschutzes verfügen. 2In diesem Rahmen können insbesondere geprüft werden:
1.
DIN 4109 – Schallschutz im Hochbau,
2.
Anforderungen an Luft- und Trittschalldämmung,
3.
Anforderungen an Planung und Ausführung.
§ 8
Wärmeschutz und Energieeinsparung
1Im Fach Wärmeschutz sollen die an der Prüfung Teilnehmenden nachweisen, daß sie über ausreichende Kenntnisse der fachlichen Grundlagen des Wärmeschutzes und der Energieeinsparung verfügen. 2In diesem Rahmen können insbesondere geprüft werden:
1.
Energieeinsparverordnung ,
2.
Mindestanforderungen an den Wärmeschutz und den klimabedingten Feuchteschutz nach den als Technische Baubestimmung eingeführten technischen Regeln,
3.
Anforderungen an Planung und Ausführung.
§ 9
Brandschutz
1Im Fach Brandschutz sollen die an der Prüfung Teilnehmenden nachweisen, daß sie über Grundkenntnisse des Brandschutzes verfügen. 2In diesem Rahmen können insbesondere geprüft werden:
1.
Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen nach den als Technische Baubestimmungen eingeführten technischen Regeln,
2.
Anforderungen an tragende Wände und Decken,
3.
Anforderungen an Brandwände,
4.
Anforderungen an Planung und Ausführung der Rettungswege.
§ 10
Prüfungszeugnis, Anerkennung
(1) 1Die an der Prüfung Teilnehmenden, die die Prüfung bestanden haben, erhalten ein Prüfungszeugnis gemäß Anlage; damit wird gleichzeitig anerkannt, daß sie im Rahmen ihrer Bauvorlageberechtigung zur Erstellung der bautechnischen Nachweise im Sinn des Art. 62a Abs. 1 BayBO, berechtigt sind. 2Die an der Prüfung Teilnehmenden, die die Prüfung nicht bestanden haben, erhalten eine Bescheinigung, aus der sich ergibt, in welchem Teilbereich oder in welchen Teilbereichen die Voraussetzungen des § 4 Abs. 4 nicht vorgelegen haben.
(2) 1Die Anerkennung der Berechtigung zur Erstellung der bautechnischen Nachweise wird für fünf Jahre erteilt. 2Sie wird auf Antrag jeweils um fünf Jahre verlängert, wenn die berechtigte Person nachweist, daß sie sich in geeigneter Weise fortgebildet hat und wenn kein Widerrufsgrund im Sinn des § 12 Abs. 2 oder des Art. 49 des Bayerischen Verwaltungsverfahrensgesetzes (BayVwVfG) und kein Rücknahmegrund im Sinn des Art. 48 BayVwVfG vorliegt. 3Der Antrag ist mindestens drei Monate vor Ablauf der Frist zu stellen.
(3) Die Handwerkskammer für Mittelfranken führt eine Liste der zur Erstellung der bautechnischen Nachweise anerkannten Personen.
§ 11
Wiederholungsprüfung
1Nichtbestandene Prüfungen dürfen bis zu zweimal wiederholt werden. 2Die an der Prüfung Teilnehmenden haben dabei Prüfungsaufgaben nur für den Teilbereich oder die Teilbereiche zu bearbeiten, die sich aus der Bescheinigung nach § 10 Abs. 1 Satz 2 ergeben, es sei denn die Prüfung liegt länger als drei Jahre zurück.
§ 12
Erlöschen, Widerruf
(1) Die Anerkennung erlischt
1.
mit Ablauf der in § 10 Abs. 2 bezeichneten Frist, wenn sie nicht verlängert worden ist oder
2.
wenn die berechtigte Person gegenüber der Handwerkskammer für Mittelfranken schriftlich auf sie verzichtet.
(2) Unbeschadet des Art. 49 BayVwVfG kann die Anerkennung widerrufen werden, wenn die berechtigte Person
1.
infolge geistiger oder körperlicher Gebrechen nicht mehr in der Lage ist, ihre Tätigkeit ordnungsgemäß auszuüben oder
2.
Bauvorlagen oder bautechnische Nachweise wiederholt oder gröblich mangelhaft erstellt hat.
§ 13
Kosten, Vergütung
1Für die Durchführung der Prüfung wird eine Gebühr nach Maßgabe der Gebührenordnung der Handwerkskammer für Mittelfranken erhoben. 2 § 39 APO gilt entsprechend.
§ 14
Rechtsaufsicht
Die Rechtsaufsicht obliegt, soweit der Vollzug dieser Verordnung betroffen ist, dem Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr im Benehmen mit dem Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie.
§ 15
Inkrafttreten
Diese Verordnung tritt am 1. Juni 1994 in Kraft.
München, den 17. Mai 1994
Der Bayerische Ministerpräsident
Dr. Edmund Stoiber
Bayerisches Staatsministerium des Innern
Dr. Günther Beckstein, Staatsminister
Anlage
Prüfungszeugnis
Frau/Herr ……………………………
geboren am ………………………………… in ………………………………………
hat die
Prüfung über den Erwerb der Zusatzqualifikation zur Erstellung der bautechnischen Nachweise im Sinn der Art. 62 bis 62b der Bayerischen Bauordnung
bestanden.
Damit wird gleichzeitig anerkannt, dass sie/er im Rahmen ihrer/seiner Bauvorlageberechtigung zur Erstellung der bautechnischen Nachweise im Sinn des Art. 62a Abs. 1 der Bayerischen Bauordnung (BayBO) berechtigt ist.
Diese Anerkennung gilt für die Dauer von 5 Jahren.
Nürnberg, ……………………… Handwerkskammer für Mittelfranken (Stempelabdruck)