Inhalt

2. Sonderpädagogischer Förderbedarf

Sonderpädagogischer Förderbedarf ist bei Kindern und Jugendlichen gegeben, die in ihrer Lern- und Leistungsentwicklung so erheblichen Beeinträchtigungen unterliegen, dass sie auch mit zusätzlichen Lernhilfen der allgemeinen Schulen nicht ihren Möglichkeiten entsprechend gefördert werden können. Sie benötigen sonderpädagogische Unterstützung, um unter den gegebenen Voraussetzungen eine bestmögliche Förderung zu erfahren und eine entsprechende Bildung zu erwerben. Dabei können sozialpädagogische, psychologische und medizinisch-therapeutische Hilfen außerschulischer Maßnahmeträger notwendig sein, die einer sorgfältigen Abstimmung mit der sonderpädagogischen Förderung bedürfen. Förderpläne und gegebenenfalls Hilfepläne, die auf der Grundlage des Jugendhilferechts erstellt werden, sind ebenso aufeinander abzustimmen.
Die Ausprägung der Lernbeeinträchtigungen, der Verlauf und die Ergebnisse der bisherigen Förderung, die Bedingungen im sozialen Umfeld, Auffälligkeiten im sensorischen. motorischen und sprachlichen Bereich und im Verhalten sowie konstitutionelle Besonderheiten bestimmen den individuellen Förderbedarf der Kinder und Jugendlichen.
Mit der Bestimmung und Beschreibung des individuellen Sonderpädagogischen Förderbedarfs ist ein komplexes Verständnis von Lernbeeinträchtigungen verbunden, die möglicherweise über einen längeren Zeitraum wirksam sind. Bei der Förderung im vorschulischen Bereich, in der Schule und in der Berufsausbildung können sich die Beeinträchtigungen des Lernens in Ausprägung und Intensität unterschiedlich darstellen.
Bei Kindern und Jugendlichen mit Sonderpädagogischem Förderbedarf kommt es wesentlich darauf an, Voraussetzungen zum altersgemäßen Lernen und Handeln zu schaffen und dabei das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu stärken. Hierdurch können sich Leistungsbereitschaft und Leistungsfähigkeit entwickeln. Bei wirklichkeitsnahen und lebensorientierten Aufgaben können sich die Kinder und Jugendlichen handelnd und selbstbestimmt einbringen.
Sonderpädagogische Förderung orientiert sich an Fähigkeiten und Erfahrungen, an Interessen, Neigungen und Wünschen, an Sorgen und Nöten dieser Kinder und Jugendlichen. Für sie muss Schule ein Lebens-, Lern- und Handlungsraum sein, in dem sie eigene Aktivitäten entwickeln, Aufgaben lösen, Konflikte verarbeiten sowie Erfahrungen und Anregungen aufnehmen, weiterführen und auf neue Ziele hinlenken können. Diese Kinder und Jugendlichen sind in der schulischen Förderung einerseits angewiesen auf Geborgenheit und Sicherheit, Zuwendung und Wärme, Anerkennung und Vertrauen, um Selbstwertgefühl und Leistungskraft entfalten zu können; sie benötigen andererseits Normen und Strukturen zu ihrer Orientierung sowie Regeln für Rücksichtnahme und Hilfsbereitschaft. So können sie schulische Aufgaben für die Gemeinschaft und Mitverantwortung für das Schulleben übernehmen.
Eine auf diese Grundlagen bezogene sonderpädagogische Förderung unterstützt den Austausch von Erfahrungen zwischen Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften und Eltern. Dies bietet Möglichkeiten zu Beratung und Anleitung und zu konkreten Hilfen für alle, die in das Schulleben einbezogen sind.
Die Schülerinnen und Schüler müssen in besonderer Weise darauf vorbereitet werden, dass soziale und berufliche Integration ständig eigener Anstrengungen und Umorientierungen bedarf. Dabei sind auch mögliche Misserfolgserlebnisse zu bewältigen und ihre Ursachen zu klären.